Das Quartier A: Ein “Ökosystem“ als Standortfaktor

 
 
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05.06.19
Martin Kaltenbrunner

Die Region um Amstetten ist seit Generationen Heimat von technologischer Entwicklung, loyalen und mit der Region verbundenen Menschen und erfolgreichen Unternehmen mit gelebter gesellschaftlicher Verantwortung.

Ein Gespür für den Puls der Zeit, die Übernahme von Verantwortung in Bereichen auch abseits des Unternehmenskerns – wie etwa Umweltschutz, die Förderung der regionalen Kultur oder der Gesundheit der Menschen – sowie die emotionale Verbindung zu den Menschen und der Region zeichnet diese erfolgreichen Unternehmen seit Anbeginn aus. Stellt das Mostviertel also schon seit jeher ein wirtschaftliches „Ökosystem“ dar?

Jetzt geht es um den nächsten Sprung: Die vorhandenen, für sich funktionierenden Ökosysteme müssen zur Zukunftssicherung über Verbindungen und Kanäle miteinander verknüpft werden.
Die aktuelle vierte industrielle Revolution verändert neben der Technologie auch die Organisationen der Unternehmen. Dafür benötigen diese vermehrt „andere“, „neue“ Räume. Das bekannte unternehmerische Ökosystem erweitert sich über die aktuellen Grenzen hinaus, es wird dynamischer und benötigt daher flexible Infrastrukturlösungen. Die Vision des Quartiers A ist es, solche Plätze für kollaborative Innovation zu schaffen. Es gilt, die entstehenden, „artenreichen“ Ökosysteme wachsen und gedeihen zu lassen!

Wissen als Ressource der Zukunft

Im Zuge der Entwicklung des Quartier A wurde bewusst, dass Wissen mehr und mehr zur Ressource der Zukunft, aber gleichzeitig immer kurzlebiger und flüchtiger wird. Es geht daher darum, entsprechende WissensträgerInnen für und aus der Region zu finden und Möglichkeiten für standortnahe Aus- und Weiterbildung – etwa für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – zu schaffen. Dazu braucht es einen konkreten Impuls, eine vereinbarte, in der Region abgestimmte Definition der nächsten Zwischenziele am Weg der wirtschaftlichen und unternehmerischen Entwicklung sowie einen über gemeinsame Werte vereinbarten Handlungsraum. Das Quartier A erhebt den Anspruch, diesen bereitzustellen.

Bei der Beantwortung von Fragen rund um langfristige Strategien und Ziele für das Quartier A wird somit klar, dass sich dessen Entwicklung nicht mehr nur als reines Immobilienprojekt, sondern vielmehr als inhaltliche Investition in die Zukunft darstellt. Es geht dabei um nicht weniger als eine „standortstrategische“ Intervention – wobei sich der Begriff „Standort“ in einer globalisierten Welt keineswegs auf einen Raum zwischen zwei Ortstafeln beschränkten sollte.

Die besten Elemente im Mostviertel: Kuration und thematische Ausrichtung als Erfolgsbasis

Amstetten liegt wahrlich im Zentrum: Umgeben von Industrie, Gewerbe, Handel, Bildungsangeboten und einer reichhaltigen Genuss- und Kulturlandschaft mit innovativem Agrarwesen – dem Mostviertel. Dieses Zentrum hat die Chance, nicht alles neu erfinden zu müssen, sondern die besten Elemente zu verbinden: Old und New Economy, gewohnte und neue Organisationsformen von Lebensmodellen, Wohnen und Freizeit, Bildung und Labor, intensive und extensive Landwirtschaft und Agrartechnologie, digitale und „analoge“ Arbeitsweisen, neue und traditionelle Arbeitsmöglichkeiten in Unternehmen mit gelebter gesellschaftlicher Verantwortung.

In der Auseinandersetzung mit wirtschafts- und unternehmensbezogenen Ökosystemen lässt sich feststellen, dass jene am erfolgreichsten sind, die eine kuratierte Zusammensetzung und eine thematische Ausrichtung haben. Welche Stärken sind vorhanden und was muss ergänzt werden, um für die Sicherung und aktive Gestaltung der Zukunft zu sorgen? Wohin geht die Reise und wovon sollte man sich am Weg verabschieden? Was oder wen sollte man für ein Stück des Weges mitnehmen? Welches Thema verbindet uns?

Der “Globe“ sichert Inputs von außen

Laut der Psychoanalytikerin und Psychologin Ruth Cohn und dem von ihr bereits in den 1950er- Jahren mitentwickelten Konzept der „Themenzentrierten Interaktion“ (TZI) gibt es keine Arbeits- oder Lerngemeinschaft von Menschen („Wir“) ohne ein zentrales Thema oder einen gemeinsamen Sinn („Es“). Kein “Wir“ kommt ohne das “Es“ und die Verwirklichung des “Ich“ in diesen beiden Sphären aus. Der dieses Dreigestirn umgebende “Globe“ steht für die Interaktion mit der Umgebung bzw. auch für die Befruchtung und Weiterentwicklung durch Inputs von außen. Die Interaktion mit dem „Globe“ ist also wichtig, um nicht an der Außenwelt vorbei zu arbeiten.

Das Ziel der TZI ist soziales Lernen und persönliche Entwicklung. Vereine, Interessensgemeinschaften und sozialwissenschaftliche „Peer-groups“ funktionieren – zum Teil bereits seit Jahrhunderten – nach diesem Prinzip. Im Allgemeinen werden Funktionen dort nach Talent und Interesse besetzt: Entsteht trotzdem eine Fehlbesetzung, kommt es zur Niederlegung des Amts oder zur Abwahl. Man sucht sich eine neue Aufgabe im Rahmen des Themas oder der Gemeinschaft – oder stellt fest, dass man nicht mehr dazu passt. Dieses Verständnis setzt sich auch in der Arbeitswelt vermehrt durch. Speziell in Bereichen, in denen Jobs ausreichend vorhanden sind, entscheiden oft Sinn und Inhalt der übertragenen Aufgaben sowie die sozio-kulturellen und räumlichen Rahmenbedingungen über den Verbleib im Unternehmen.

Die Frage nach dem “Was?“, „Warum?“ und „Mit wem?“ sollte also im Mittelpunkt der Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen für Ökosysteme stehen, um Menschen ein konkretes Thema und eine Community finden zu lassen.
Das Quartier A bietet Platz für viele unterschiedliche räumliche Lösungen auf Basis der gefundenen Antworten: Nur die richtigen Fragen dazu müssen zum Teil noch gemeinsam entwickelt und „erfunden“ werden!