Die Leistbarkeit des Wohnens

 
 
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22.08.18
Josef Lueger

Das Quartier A verbindet die Gelegenheiten von Linz und Wien mit den Annehmlichkeiten einer Mittelstadt. Dabei sind für Mietkosten in Linz um 20 Prozent mehr und in Wien sind gar um 40 Prozent mehr zu zahlen. Wer im Quartier A kauft, lebt auf 100 Quadratmetern anstatt auf 48 Quadratmetern in Wien.

Obwohl kein fundiertes Maß für angemessene Wohnkosten bekannt ist, wird seit Jahren Stimmung gemacht, so wie sie gebraucht wird: von der Immobilienwirtschaft relativierend, von der Politik reklamierend und von Interessenvertretungen anprangernd.

Blickt man auf die nackten Zahlen, ohne im Einzelnen der Beweisführung nachzugehen, zeigen sich übereinstimmende Muster. Für 1.500 Dollar bzw. etwa 1.270 Euro, war im österreichischen Wirtschaftsmagazin Trend am 11.10.2017 zu lesen, bekommen Mieterinnen und Mieter in Manhatten 26 Quadratmeter, in London 28, in Amsterdam und Kopenhagen 50, in Brüssel 78 und in Wien 94. In Berlin gehen sich ums selbe Geld 134 Quadratmeter aus und in Shanghai sogar 158. Zwar hat die Studie von RentCafe Einkommen und Kaufkraft nicht berücksichtigt, aber Ähnliches zeigt ein Blick auf die anteiligen Kosten des Nettoeinkommens für Wohnkosten. Hier lag Österreich 2015 mit 22 Prozent unter dem EU-Durschnitt. Dieser liegt bei 24 Prozent. Und doch hat sich der Arbeitsaufwand eines Industriearbeiters laut Studie Agnes Streissler-Führer für eine 70-Quadratmeter-Wohnung von 1986 bis 2013 um zwei Stunden erhöht.

Unbestritten ist, dass die Kosten für das Wohnen im Vergleich zum Einkommen rascher wachsen und somit für viele Erwerbstätige die Befriedung aller Grundbedürfnisse schwerer fällt. Dieser Umstand würde umso schwerer wiegen, wenn ich das Argument eines Workshopteilnehmers aufgreifen darf: Die jungen Erwachsenen beginnen viel früher damit, ihr Geld auszugeben – und ohne Erspartes verteuert sich die Finanzierung des Wohnwunsches. Klingt plausibel und erschwert die Suche nach dem richtigen Maß für leistbares Wohnen.

Ich blicke daher auf den Preisspiegel für Immobilien in Österreich und entdecke, dass eine Wohnung im Eigentum in 1070 Wien für rund 6.200 Euro, in 1150 Wien und Linz für rund 4.200 und im Bezirk Amstetten für rund 2.000 Euro gehandelt wird – mit übereinstimmend leicht steigender Preistendenz. Diese Tendenz besteht auch in der Vermietung von Neubauwohnungen bei Mietpreisen je Quadratmeter von rund 17 Euro in 1070 Wien, 14,50 in 1150 Wien und Linz und 11 Euro im Bezirk Amstetten.

Um der Wahrheit nahe zu kommen, muss noch eine Korrektur der Bezirksdurchschnittszahlen nach oben vorgenommen werden. So gesehen werden die Preise für Eigentum je nach Typologie und Ausstattung bei rund 3.000 Euro liegen und die Mieten bei 12 Euro je Quadratmeter.

Im Eigentum bedeutet dies jeweils Preissprünge um 40 bzw. 110 Prozent. Bei Mietwohnungen ergibt immer noch eine Spanne von bis zu rund 40 Prozent Mehrkosten – oder andersrum gesehen ein beachtliches Potenzial bei Wohnkosten zu sparen, um an anderen Lebensteilen teilhaben zu können.

Darüber nachzudenken lohnt sich! Und auch über den Faktor Zeit bei Anbindung an das Mobilitätsoptimum.

https://www.immopreise.at/Preisvergleich