Management einer gesellschaftlichen Innovation

 
 
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02.07.18
Martin Kaltenbrunner

Die Ausgangslage

Die Art wie wir leben und arbeiten hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Veränderung ist normal – nur die Geschwindigkeit von Innovationen hat sich beschleunigt, der Begriff der digitalen Revolution drängt sich auf. Die Entwicklungen sind nur noch bedingt vorhersehbar, teilweise werden wir davon überrascht und von den neuen Möglichkeiten erfreut mitgerissen. Das viel zitierte Smartphone ist nur eines dieser Beispiele, aber auch Technologien wie Blockchain, autonomes Fahren und Robotic werden unser Leben nachhaltig verändern.

Die Grundlagen der Entwicklung

In diesem Umfeld von Entwicklungen, die sich auf unser tägliches Leben auswirken, entwickeln wir ein nachhaltiges Quartier. Nachhaltig? Vorhaltig ist eigentlich der bessere Ausdruck für die Entwicklung des Quartier A: es werden Möglichkeiten geschaffen, um die Zukunft zu gestalten. Als Mitarbeiter von M.O.O.CON ist es mir wichtig im Vorfeld die Fragen nach dem „Warum“ und dem „Für wen“ zu beantworten, die Antwort auf das „Wie“ lässt sich dann sehr viel zielgerichteter erarbeiten.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht:

Expertinnen und Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur, Wirtschaft, Gesundheit, Mobilität, Nachhaltigkeit, Wohnen und Freiraum arbeiten derzeit intensiv an den zukünftig erforderlichen Möglichkeitsräumen.

Im Parallelprojekt „Amstetten Smart Living“ werden neben den beschrieben Nutzungen auch neue Möglichkeiten für den Betrieb, die Finanzierung und die governance dieser „Räume“ erforscht und in partizipativen und soziokratischen Prozessen gemeinsam unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology erarbeitet. In diesem Projekt finden sich Spezialistinnen und Spezialisten, die mit ihrer Expertise zukunftsweisende, mutige und vor allem bedarfsgerechte und realisierbare Konzepte entwickeln.

Ein weiteres Projekt ist der „Visionsprozess 2030“, in dem mit lokalen Partnern aus der Stadt und dem Umland von Amstetten in die Zukunft geschaut wird. Die Inputs daraus sollen die regionalen Anforderungen formulieren.

Neben diesen drei Hauptprojekten laufen weitere Projekte und Arbeitsgruppen zu den Themen Mobilität und Gesundheit. Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit der Versorgungssicherheit am Land im Gesundheitsbereich oder der Frage, wie wir in Zukunft von A nach B kommen werden.

Agile Ansätze im Projekt

Was alle Expertinnen und Experten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Community, die um das Quartier entsteht, eint, ist der Gestaltungswille und die Eigenverantwortung für die mittelbare Zukunft.

In diesem Umfeld ist es nicht möglich Projektpläne über Jahre festzusetzen und alle Aufgaben in kleine Scheiben zu schneiden, um sie dann der Reihe nach stur abarbeiten zu können. Hier trifft sich unsere Projektrealität mit dem täglichen Leben der Unternehmen in der Region – Entwicklungen und Projekte sind zunehmend agil und die einzige Konstante die Veränderung. Wir versuchen beim Gehen im Projekt die Produkte zu entwickeln und zu verbessern.

Wir begegnen diesem Umstand im Projektmanagement in der Art, dass wir das Projekt vom Zielzustand her denken. Das Projektteam weiß genau, welche Nutzungen im Quartier sein sollen, welche Menschen hier leben werden – ja, wie es sich anfühlen soll, ein Teil vom Quartier A zu sein. Anhand dieser Zukunftsvision definieren wir für die Gegenwart Aufgaben, die zur Erfüllung dieser Vision beitragen – und bearbeiten diese „auf Sicht“. Im Projektverlauf werden natürlich auch das überantwortete Budget und die Terminschiene verfolgt. Die Zielvorgaben sind einzuhalten – gegebenenfalls sind Priorisierungen vorzunehmen, wenn Maßnahmen, die besser zur Zielerreichung beitragen dazukommen, fallen ungeeignetere heraus. Besseres Ergebnis vor starrer Struktur …

Besser zu werden ist keine Schande

Es tauchen fast wöchentlich neue Möglichkeiten, Technologien, interessante Partner, gute Ideen auf. Ziel ist, möglichst vieles zuzulassen, das der Vision entspricht, diese ausformuliert, detailliert und ermöglicht. Im Fokus steht das bestmögliche Ergebnis. Änderungen werden im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung sofort in den Projektplanungen integriert – Teilergebnisse mit Reaktionsmöglichkeit bilden die Basis. Ziel ist, Änderungen nicht als terminlichen und kostenseitigen Supergau wahrzunehmen, sondern von Beginn an zu berücksichtigen.

Worin genau liegt die Innovation

Der Kern der Innovation im Projekt selbst ist es, ein bedarfsgerechtes Quartier aus dem Bedarf der zukünftigen Community zu entwickeln, die darin lebt, arbeitet und dieses zum Teil vielleicht auch finanziert. Der bisherige Weg, Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und dann zu hoffen, dass diese jemand nutzen möchte, wird damit verlassen. Diese Umkehr hat aktuell noch wenige Best Practice Beispiele – diese strahlen, wie zB die Tabakfabrik in Linz, aber umso heller …

Ich freue mich mit meinem Team, als externer Projektmanager von M.O.O.CON, den Projektleiter der ÖBB, Günther Sterlike, bei Navigation und der Einbindung von Verbesserungen und Netzwerkpartnern im Prozess zu unterstützen.

Was hat das alles mit mir zu tun oder: das Beste zum Schluss.

Ein fixer Bestandteil des Gesamtprozesses ist auch in der Realität die Partizipation. Wir freuen uns im Projekt über Inputs, Bedenken, Anregungen, konkrete Vorschläge und Menschen, die mitgestalten und Verantwortung übernehmen wollen – denn was hier entsteht, muss (von uns allen) erst erfunden werden.