Nachhaltige Mobilität. Was braucht es, damit es ohne eigenes Auto geht?

 
 
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29.01.19
Clemens Rainer

Eine Kernqualität des Quartier A liegt im umfassenden Mobilitätsangebot. Dadurch sollen alle Mobilitätsbedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, der Nutzerinnen und Nutzer und der Besucherinnen und Besucher ohne eigenes Auto bedient werden.

Die anspruchsvollen Gesamtziele für das Quartier A aus dem Masterplan sind ja:

  • Das Quartier A ist der Mobilitätshub der Zukunft für räumliche und virtuelle Mobilität im Mostviertel – mit Verbindungen überall hin.
  • Dazu werden nachhaltige und innovative Mobilitätslösungen angeboten, getestet und weiterentwickelt, bei denen die gemeinsame Nutzung im Mittelpunkt steht.

Da könnte man denken, mit dem guten Bahnanschluss, der E-Mobilität, dem autonomen Fahren und mit Carsharingmodellen ist das eh leicht möglich; Gibt’s ja alles schon; Muss man nur umsetzen.

Leider klingt das einfacher als es ist. Das beginnt schon mit den Fragen nach den Stellplätzen im autofreien Quartier A. Soll jedes Gebäude eine Tiefgarage bekommen? Was ist dann mit der nachhaltigen Mobilität, wenn jeder sein Auto bequem im Keller stehen hat? Und warum den Wohnbau verteuern und teure Flächen schaffen, die möglicherweise in naher Zukunft niemand braucht?

Die Grafik links verdeutlicht, wie teuer Pkw-Stellplätze in Wirklichkeit sind.

Im Masterplan wurde daher festgelegt, dass es darum geht, einen zukunftsorientierten, nachhaltigen Weg bei der Bereitstellung von Stellplätzen für Privat-Pkw im Quartier zu gehen. Der Fokus im Quartier liegt auf nachhaltiger Mobilität, das muss sich vor allem in der Stellplatzstrategie zeigen. Die ersten Bauplätze im Quartier (zeitlich und räumlich gesehen), also die Remise und die unmittelbar im Osten anschließenden Bauplätze, erhalten im Masterplan keine eigenen Garagenstellplätze. Diese werden temporär (bis zur Errichtung der Bauplätze im Osten) oberirdisch untergebracht. Langfristig soll ein Garagenpool entstehen.

Damit solche Maßnahmen zur Erhöhung der Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner, der Nutzerinnen und Nutzer und der Besucherinnen und Besucher führen, müssen sie in ein umfassendes Innovationskonzept für Mobilität eingebettet sein, in dem zielgruppenspezifische, nachhaltige und innovative Mobilitätslösungen bereitgestellt werden.

Beim Planungswokshop im Juni 2018 in der Remise wurden von der Bevölkerung wichtige Anforderungen an die Mobilität formuliert:

  • Wichtige Themen sind: Pendlermobilität, Staus in Amstetten in den Pendlerstoßzeiten, Park&Ride, öffentliche Verkehrsmittel für Pendlerinnen und Pendler.
  • Für die P&R-Anlage braucht es Lösungen, die das Parken an Nutzungen des öffentlichen Verkehrs bindet.
  • Anstelle neuer P&R-Anlagen braucht es einen Gemeinde-Verkehrsverbund für den öffentlichen Verkehr, der ein abgestimmtes, übergreifendes Angebot – vor allem für die Pendlerströme – entwickelt (328 Mio. Euro  gehen pro Jahr in den Motorisierten Individualverkehr, kurz MIV!).
  • Für die benachbarten Gemeinden mit ca. 10 bis 12 km Entfernung braucht es bessere öffentliche Verkehrslösungen – zum Beispiel mit dem Citybus.
  • Es braucht in Amstetten einen „mobility point“, in dem alle Mobilitätsangebote (wie Zug, Bus, Carsharing, E-Infrastruktur, Bikesharing, Taxi, Information, Tickets etc. sichtbar und abgestimmt zusammenlaufen und mit einer Karte, mit einem System genutzt werden können – schlecht ist zum Beispiel die Trennung der Ticketsysteme von ÖBB und Westbahn).
  • Betreutes Wohnen sollte entsprechende Mobilität integral beinhalten.
  • Die innerstädtischen Fußwegeverbindungen zwischen Quartier A und Innenstadt müssen wesentlich attraktiver werden (Gehwegführung, und -breite, Beleuchtung, Unterführungen etc.).

Im Quartier A sollten nun die folgenden Schritte gesetzt werden:

  1. Erhebung der Mobilitätsbedürfnisse der Zielgruppe (Nutzerinnen und Nutzer, die für smarte Mobilität ohne Privat-Pkw im kleinstädtischen Raum offen sind).
  2. Entwicklung von Lösungsszenarien zur Befriedigung der Mobilitätsbedürfnisse der Zielgruppe unter Berücksichtigung innovativster Mobilitätslösungen.
  3. Schaffung eines Innovationskonzepts für zielgruppenspezifische smarte und innovative Mobilitätslösungen für das Quartier A, das auf einen Umstieg von Privat-Pkw auf smarte, nachhaltige Mobilitätsformen und Verkehrsarten fokussiert – mit dem Ziel der Umkehrung der Mobilitätsprioritäten der Bewohnerinnen und Bewohner.
  4. Klare Vorgaben für den städtebaulichen Vertrag, die Flächenwidmung und die nachfolgende Detailplanung, um die Umsetzung der aufgezeigten innovativen smarten Wohn- und Mobilitätslösungen sicherzustellen.

Wichtige Lösungsansätze für das Quartier A sind dabei:

  • Fußläufige Erreichbarkeit wesentlicher Versorgungseinrichtungen
  • Kombinieren von Wohnen, Arbeiten und Freizeit, um Verkehr zu verhindern
  • Fußgänger- und radfahrerfreundlicher öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität
  • Wohninfrastruktur mit Radgaragen, Bike- und Carsharingmodellen
  • E-Mobility, autonomes Fahren
  • Mobilitätspakete, Mobilitätsverträge
  • Multimodale bzw. intermodale Ansätze
  • Mobilitätsmanagement mit Mobility Points/Mobilitätszentralen
  • Synergien mit Quartiersmanagement
  • Instrumente wie Fonds für nachhaltige Mobilität etc.