Über Freiräume – oder: was macht Stadt aus?

 
 
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11.09.18
Martina Jauschneg

In der Stadt kommen seit jeher unterschiedlichste Menschen zusammen, die im Austausch miteinander ein vielgestaltiges, facettenreiches und demokratisches „Mehr“ entwickeln. Wissen, Kreativität, Innovation zeichnen lebendige Stadtwelten aus; Arbeit, Wirtschaft, Bildung, Medizin und Kultur profitieren davon. Die Freiräume in der Stadt sollen dies ermöglichen und fördern, denn in ihnen spielt sich das städtische Leben ab – immer noch, trotz zunehmender Digitalisierung und Leben in virtuellen Welten. Freiräume eröffnen auch im übertragenen Sinn Handlungs-Freiräume, sie sollen ein selbstbestimmtes und gemeinschaftliches Leben in der Stadt unterstützen.

Wichtig ist mir ein gutes robustes Grundgerüst an alltagstauglichen Grün- und Freiräumen, das von den Menschen angeeignet, ihren Bedürfnissen angepasst und mit Leben erfüllt wird, in dem sich neue, individuelle und gemeinschaftliche Wohn-, Arbeits- und Lebensformen beheimaten können.

Im Masterplanprozess ging es darum, dieses Grundgerüst zu entwickeln und die zukünftigen Grün- und Freiräume wie gemeinschaftliche Höfe, öffentliche Plätze, Spiel- und Sportbereiche sowie gebäudebezogene Freiräume wie mögliche Therapiegärten und Dachterrassen zu verorten und die grünen Achsen in Form von Baumreihen festzulegen. Angelehnt an die internationalen Standards für Grün- und Freiraumversorgung der Stadt Wien soll jede Bewohnerin und jeder Bewohner im Umkreis von 250 Metern eine öffentlich nutzbare Grünfläche mit Erholungswert erreichen können. Dies ist besonders für mobilitätseingeschränkte Personen und kleine Kinder wichtig; auch die arbeitende Bevölkerung soll nah gelegene Pausenräume im Freien oder Besprechungsorte im kühlen Schatten eines Baumes nutzen können.

Dass sich in Städten Hitzeinseln bilden, ist angesichts des vergangenen heißen Sommers sicher noch gut in Erinnerung. Grün in der Stadt – ob als Baum oder als Dach- und Fassadenbegrünung – wird angesichts des Klimawandels immer wichtiger. Grün trägt wesentlich zur Beschattung, einem kühleren Mikroklima und damit zu einem angenehmeren Aufenthalt im Freien bei. Auch Wasser ist fürs Kühlen in den Freiräumen ein wichtiges Element, dessen beruhigende Wirkung auf die Psyche nicht unterschätzt werden sollte und das in Form von vielfältig gestalteten und nutzbaren Wasserelementen in die Planung Eingang gefunden hat.

Auch im Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern beim Planungsfrühstück im Juni dieses Jahres hat sich ein großes Interesse an Dach- und Fassadenbegrünung und (Regen-) Wassermanagement gezeigt. Hinzu kommt der immer stärkere Wunsch, sich selber bei der Gestaltung des unmittelbaren Wohnumfeldes und Lebensraums einzubringen wie zum Beispiel in Form von Urban Gardening oder Baumscheibenpatenschaften.

Ausgehend von der Geschichte des Ortes, der Eisenbahn mit ihrer EisenbahnerInnenkultur, wird es bei der Ausgestaltung der Freiräume darum gehen, dieses Thema aufzugreifen und weiter zu spinnen. Die Freiraumgestaltung erfüllt – wie einst die alte Remise als Gebrauchsgebäude und ihr Lok-Drehelement als Entsprechung im Freiraum – auch in Zukunft eine Drehscheibenfunktion zwischen Bebauung und städtischem Leben.